Dr. BARBARA LAIMBÖCK

Ärztin, Psychotherapeutin

Interviews für verschiedene Medien

Zeitschrift GESUNDHEIT, Ausgabe 02/2010

"Spiegelneurone und Beziehung"

Offenbar können Spiegelneurone aber auch kaputt gehen, wenn Gewalt oder Lieblosigkeit ein Kind traumatisieren. Dr. Laimböck bestätigt das und meint: "Auf Babys wirkt die Welt zunächst durch den Blickwinkel ihrer Mutter und anderer wichtiger Bezugspersonen. Im Idealfall ist diese wichtige Person liebevoll und lebensfroh, an uns interessiert, freut sich mit und über uns und blickt mutig und gelassen in die Zukunft. Somit erleben wir die Umwelt als uns freundlich gesinnt und entwickeln eine optimistische und beziehungsorientierte Grundhaltung." Was ist, wenn das nicht so ist? Dr. Laimböck: "Das hat schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. War der Blick der Mutter teilnahmslos, erlebt sich der Mensch selbst als wertlos. Erlebte das Kind die Mutter aggressiv und lieblos, dann erlebt dieser Mensch auch seine Umgebung so." Daraus wird erkennbar: Die Spiegelneurone speichern all diese frühkindlichen Empfindungen und Erlebnisse, im positiven wie im negativen Sinn. Sie sind die Basis für unser weiteres Beziehungsverhalten. Aber auch Stress und Angst bekommen ihnen nicht. Sie sind in Belastungssituationen störanfällig.
Kann Psychotherapie helfen?
Dr. Laimböck: "Aufmerksamkeit und ein intensives Spiegeln der geglückten Augenblicke wirken heilsam. Die Gestaltung von Beziehungen, von Vertrauen in sich selbst und die Umwelt wird dadurch gestärkt." Diese wertschätzende und wohlwollende therapeutische Grundhaltung ist eine ganz wichtige Erfahrung für die Betroffenen. Dr. Laimböck schildert ihre Erfahrungen so: "Allmählich entspannt sich während der Sitzungen die Atmosphäre, manchmal lachen wir herzlich und spiegeln einander in diesem Lachen wechselseitig." So werden auch frühe Defizite (fehlende Lächelspiele mit der Mutter) allmählich nachgeholt. "Das hilft den Patienten zu lernen, sich im Umgang mit anderen Menschen wohl und geborgen zu fühlen." Wie sieht die Prognose aus? "Wie bei anderen psychischen Traumen ist entscheidend, in welchem Alter wir Defizite des Spiegelns erlebt haben. Bei ganz früher Aggression oder Vernachlässigung ist mit großer Verletzbarkeit und langen Therapien zu rechnen. Bei später auftretenden schlechten Spiegel-Erfahrungen, aber dem Bestehen von guten Spiegelungen in der Kindheit, ist die Prognose sehr gut. Erinnerungen an Ressourcen aus der Kindheit werden aktiviert und wiederbelebt."

Online-Magazin WWW.WECARELIFE.AT, 10/2007

SEXUALITÄT: "Hemmschuh Bildung"
Zur landläufigen Meinung, dass der Grad an Bildung sich auf den Spaß im Bett auswirke, bemerkt Paartherapeutin Dr. Barbara Laimböck: "Es ist offenbar ein Fluch des Intellekts, dass gerade sehr gebildete, disziplinierte Menschen Probleme haben, Kontrolle abzugeben." Dies sei aber für ein erfülltes Sexleben entscheidend. "Wir haben gelernt, Triebe zu sublimieren, sie kreativ oder produktiv umzuwandeln", so Laimböck. Es sei schwierig, diesen "Schritt zurück vom Kultivierten zum Animalischen zu gehen". Lustlosigkeit sei der häufigste Grund, weshalb Paare in ihre Praxis kämen. "Etwas nicht unmittelbar Zweckmäßiges wie Sex passt jungen, erfolgreichen Menschen oft nicht ins Konzept", so die Psychotherapeutin. Ein weiteres häufiges Spannungsfeld ist Laimböck zufolge "unterschiedlicher sexueller Appetit". Es werde schnell zum Teufelskreislauf, wenn der eine immer der Fordernde sei und der andere immer der oder die Abweisende. Die Ärztin räumt ein, dass "viel Phantasie gefragt ist, um einmal festgefahrene Rollen aufzuweichen". Eine gute Gesprächskultur trägt jedenfalls zum Erfolg bei, ist Laimböck sicher.